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Design

Landingpages für Scans: Tempo, Daumen, Sonne, Formular

7 Min. Lesezeit
QR-Code erstellen

Warum Mobile First bei QR-Codes zählt

Wer gerade Ihr Plakat gescannt hat, steht auf dem Gehweg, hält das Telefon in einer Hand und ist im Mobilfunknetz unterwegs. Trotzdem entstehen viele Landingpages noch zuerst für den Desktop und werden hinterher geschrumpft. Jede Regel weiter unten folgt aus diesem Bild, und am Ende kommen die drei Punkte dazu, die eine Seite für deutsche Scans zusätzlich braucht.

Grundlagen von Mobile First

Der mobile Kontext

Wer QR-Codes scannt, ist:

  • unterwegs
  • unter Zeitdruck
  • einhändig aktiv
  • wechselnden Lichtverhältnissen ausgesetzt
  • im Mobilfunknetz

Was daraus für die Gestaltung folgt

  • Schnelles Laden ist Pflicht
  • Bedienung mit dem Daumen
  • Text mit hohem Kontrast
  • Knappe Inhalte
  • Klare Handlungsaufforderungen

Ladezeit optimieren

Zielwerte

  • First Contentful Paint: < 1,5 s
  • Time to Interactive: < 3 s
  • Largest Contentful Paint: < 2,5 s
  • Cumulative Layout Shift: < 0,1

Techniken für Tempo

  1. Bilder komprimieren
  • WebP-Format nutzen
  • Verzögertes Laden
  • Passende Abmessungen
  • Auslieferung über ein CDN
  1. Code verschlanken
  • Ungenutztes CSS entfernen
  • JavaScript aufschieben
  • Kritisches CSS einbetten
  • Code aufteilen
  1. Auf jeder Ebene zwischenspeichern
  • Browser-Cache
  • Service Worker
  • CDN-Cache
  • API-Cache

Layoutprinzipien

Gestaltung für das Sichtfeld

  • Mobiles Sichtfeld voll ausnutzen
  • Kein waagerechtes Scrollen
  • Angemessene Schriftgrößen
  • Abstände für die Fingerbedienung

Hierarchie der Inhalte

  1. Klare Überschrift (was man bekommt)
  2. Nutzenversprechen (warum es zählt)
  3. Wichtigste Handlungsaufforderung (was zu tun ist)
  4. Ergänzende Inhalte (falls nötig)

Weißraum

  • Ausreichende Ränder
  • Luft zum Atmen
  • Optische Trennung
  • Klare Schwerpunkte

Elemente für die Fingerbedienung

Schaltflächen

  • Berührungsflächen von mindestens 44x44 px
  • Genügend Abstand zwischen Schaltflächen
  • Deutliche optische Rückmeldung
  • Kontrastreiche Farben

Formularfelder

  • Große Eingabeflächen
  • Passende Tastaturtypen
  • Automatisches Ausfüllen erlauben
  • Eindeutige Beschriftungen

Navigation

  • Menüsymbol für umfangreiche Menüs
  • Untere Navigationsleiste bei Apps
  • Fixierte Kopfzeilen sparsam einsetzen
  • Einfacher Weg zurück

Inhaltsstrategie

Ohne Scrollen sichtbar

Diese Elemente müssen sofort zu sehen sein:

  • Klare Überschrift
  • Nutzenversprechen
  • Wichtigste Handlungsaufforderung
  • Erkennbare Marke

Textlänge

  • Kurzer, überfliegbarer Text
  • Aufzählungen statt Absätze
  • Schrittweise Enthüllung
  • Ausklappbare Abschnitte

Einsatz von Medien

  • Komprimierte Bilder
  • Automatisch startende Videos nur mit Bedacht
  • Ton standardmäßig aus
  • Vorschaubilder

Typografie

Schriftgrößen

  • Fließtext: mindestens 16 px
  • Überschriften: 24-32 px
  • Schaltflächen: 16-18 px
  • Bildunterschriften: mindestens 14 px

Lesbarkeit

  • Hohe Kontrastverhältnisse
  • Zeilenhöhe: 1,5-1,7
  • Zeilenlänge: 45-75 Zeichen
  • Serifenlose Schrift für Bildschirme

Hierarchie

  • Deutliche optische Unterschiede
  • Einheitliche Formatierung
  • Aussagekräftige Überschriften
  • Überfliegbare Struktur

Farbe und Kontrast

Standards der Barrierefreiheit

  • WCAG AA als Minimum (4,5:1)
  • WCAG AAA bevorzugt (7:1)
  • Für Farbfehlsichtige geeignet
  • Bei simuliertem Sonnenlicht prüfen

Markenkonsistenz

  • Markenfarben beibehalten
  • Für die Lesbarkeit nachjustieren
  • Dunkelmodus mitdenken
  • Einheitliches Erlebnis

Formulare optimieren

Weniger Felder

  • Nur die nötigsten Pflichtfelder
  • Angaben schrittweise erfragen
  • Anmeldung über soziale Konten
  • Automatisches Ausfüllen unterstützen

Eingabetypen

  • Passende Tastaturtypen
  • Datumsauswahl
  • Auswahlliste bei langen Listen
  • Auswahlfelder bei wenigen Optionen

Prüfung der Eingaben

  • Rückmeldung in Echtzeit
  • Verständliche Fehlermeldungen
  • Betroffene Felder hervorheben
  • Hinweistext, wo er hilft

Testprotokoll

Gerätetests

  • Echte Geräte zuerst
  • Mehrere Bildschirmgrößen
  • iOS und Android
  • Verschiedene Browser

Leistungstests

  • Google PageSpeed Insights
  • Lighthouse-Prüfungen
  • WebPageTest
  • Beobachtung echter Nutzer

Nutzertests

  • Erledigung der Aufgabe
  • Zeit bis zum Abschluss
  • Punkte, die Frust erzeugen
  • Sammeln von Rückmeldungen

Typische Fehler

Fehler 1: Desktop-Gestaltung verkleinert

Problem: Desktop-Layouts werden geschrumpft Lösung: zuerst mobil gestalten, dann für den Desktop erweitern

Fehler 2: Zu viel Inhalt

Problem: Überfrachtung mit Informationen Lösung: kompromisslos priorisieren, Inhalte schrittweise zeigen

Fehler 3: Langsames Laden

Problem: Nutzer verlassen langsame Seiten Lösung: Bilder optimieren, Code verschlanken, CDN nutzen

Fehler 4: Winzige Berührungsflächen

Problem: frustrierendes Antippen Lösung: mindestens 44 px, dazu genügend Abstand

Konversion optimieren

Gestaltung der Handlungsaufforderung

  • Nur eine Hauptaktion
  • Kontrastierende Farbe
  • Handlungsorientierter Text
  • Auffällige Platzierung

Vertrauenselemente

  • Sicherheitssiegel
  • Bewertungen
  • Markenlogo
  • Kontaktangaben

Dringlichkeit und Knappheit

  • Zeitlich befristete Angebote
  • Hinweise zur Verfügbarkeit
  • Countdown-Anzeigen
  • Soziale Bestätigung

Auswertung einrichten

Zentrale Kennzahlen

  • Absprungrate
  • Verweildauer
  • Scrolltiefe
  • Klickrate auf die Handlungsaufforderung
  • Konversionsrate

Technische Umsetzung

  • Google Analytics 4
  • Heatmaps
  • Sitzungsaufzeichnungen
  • A/B-Tests

Banner, Funkloch und eigene Schriften

Drei hiesige Bedingungen entscheiden mit, ob eine gescannte Seite trägt, und alle drei betreffen die ersten zwei Sekunden.

Das Einwilligungsbanner ist der erste Bildschirm. Nach § 25 TDDDG darf davor kein nicht notwendiges Skript laufen, also sehen Ihre Besucher die Abfrage, bevor sie den Inhalt sehen. Gestalten Sie sie deshalb als Teil der Seite und nicht als Hindernis: der versprochene Inhalt dahinter sichtbar, zwei gleich gut erreichbare Schaltflächen, kein Layoutsprung, wenn das Banner verschwindet. Und prüfen Sie, dass die Seite ohne Zustimmung vollständig funktioniert, denn ein Teil Ihrer Besucher wird ablehnen.

Das Netz ist nicht überall gut. Entlang von Landstraßen, in Altbauten mit dicken Mauern und in Tiefgaragen bricht die Verbindung ein, und ein Plakat hängt oft genau dort. Bauen Sie für die schlechte Verbindung: wenige Kilobyte für den ersten sichtbaren Bereich, Bilder erst beim Scrollen, keine Schriftdatei im Rendering-Pfad. Ein Code mit einer Adresse, die auch offline etwas Sinnvolles zeigt, ist besser als eine schöne Seite, die im Funkloch weiß bleibt.

Und die Schriften gehören auf Ihren Server. Das dynamische Nachladen von Webfonts aus einem fremden Netz hat in Deutschland eine Welle von Abmahnungen ausgelöst, weil dabei die IP-Adresse der Besucher ohne Einwilligung an Dritte übertragen wird. Selbst gehostete Schriftdateien lösen das Problem und machen die Seite schneller. Dieselbe Logik gilt für Karten, Videoeinbindungen und Schaltflächen sozialer Netze: erst nach Zustimmung, oder als Bild mit Link.

Testen Sie so, wie später genutzt wird

Nehmen Sie Ihre Landingpage mit nach draußen. Öffnen Sie sie auf dem eigenen Handy, im Mobilfunknetz, bei Tageslicht, mit einem Kaffee in der anderen Hand. Alles, was langsam oder unleserlich ist oder zwei Hände verlangt, kommt auf die Mängelliste. Lighthouse-Werte sind nützlich, aber den Gehwegtest führen Ihre Scannenden tatsächlich durch.

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