
Landingpages für Scans: Tempo, Daumen, Sonne, Formular
Warum Mobile First bei QR-Codes zählt
Wer gerade Ihr Plakat gescannt hat, steht auf dem Gehweg, hält das Telefon in einer Hand und ist im Mobilfunknetz unterwegs. Trotzdem entstehen viele Landingpages noch zuerst für den Desktop und werden hinterher geschrumpft. Jede Regel weiter unten folgt aus diesem Bild, und am Ende kommen die drei Punkte dazu, die eine Seite für deutsche Scans zusätzlich braucht.
Grundlagen von Mobile First
Der mobile Kontext
Wer QR-Codes scannt, ist:
- unterwegs
- unter Zeitdruck
- einhändig aktiv
- wechselnden Lichtverhältnissen ausgesetzt
- im Mobilfunknetz
Was daraus für die Gestaltung folgt
- Schnelles Laden ist Pflicht
- Bedienung mit dem Daumen
- Text mit hohem Kontrast
- Knappe Inhalte
- Klare Handlungsaufforderungen
Ladezeit optimieren
Zielwerte
- First Contentful Paint: < 1,5 s
- Time to Interactive: < 3 s
- Largest Contentful Paint: < 2,5 s
- Cumulative Layout Shift: < 0,1
Techniken für Tempo
- Bilder komprimieren
- WebP-Format nutzen
- Verzögertes Laden
- Passende Abmessungen
- Auslieferung über ein CDN
- Code verschlanken
- Ungenutztes CSS entfernen
- JavaScript aufschieben
- Kritisches CSS einbetten
- Code aufteilen
- Auf jeder Ebene zwischenspeichern
- Browser-Cache
- Service Worker
- CDN-Cache
- API-Cache
Layoutprinzipien
Gestaltung für das Sichtfeld
- Mobiles Sichtfeld voll ausnutzen
- Kein waagerechtes Scrollen
- Angemessene Schriftgrößen
- Abstände für die Fingerbedienung
Hierarchie der Inhalte
- Klare Überschrift (was man bekommt)
- Nutzenversprechen (warum es zählt)
- Wichtigste Handlungsaufforderung (was zu tun ist)
- Ergänzende Inhalte (falls nötig)
Weißraum
- Ausreichende Ränder
- Luft zum Atmen
- Optische Trennung
- Klare Schwerpunkte
Elemente für die Fingerbedienung
Schaltflächen
- Berührungsflächen von mindestens 44x44 px
- Genügend Abstand zwischen Schaltflächen
- Deutliche optische Rückmeldung
- Kontrastreiche Farben
Formularfelder
- Große Eingabeflächen
- Passende Tastaturtypen
- Automatisches Ausfüllen erlauben
- Eindeutige Beschriftungen
Navigation
- Menüsymbol für umfangreiche Menüs
- Untere Navigationsleiste bei Apps
- Fixierte Kopfzeilen sparsam einsetzen
- Einfacher Weg zurück
Inhaltsstrategie
Ohne Scrollen sichtbar
Diese Elemente müssen sofort zu sehen sein:
- Klare Überschrift
- Nutzenversprechen
- Wichtigste Handlungsaufforderung
- Erkennbare Marke
Textlänge
- Kurzer, überfliegbarer Text
- Aufzählungen statt Absätze
- Schrittweise Enthüllung
- Ausklappbare Abschnitte
Einsatz von Medien
- Komprimierte Bilder
- Automatisch startende Videos nur mit Bedacht
- Ton standardmäßig aus
- Vorschaubilder
Typografie
Schriftgrößen
- Fließtext: mindestens 16 px
- Überschriften: 24-32 px
- Schaltflächen: 16-18 px
- Bildunterschriften: mindestens 14 px
Lesbarkeit
- Hohe Kontrastverhältnisse
- Zeilenhöhe: 1,5-1,7
- Zeilenlänge: 45-75 Zeichen
- Serifenlose Schrift für Bildschirme
Hierarchie
- Deutliche optische Unterschiede
- Einheitliche Formatierung
- Aussagekräftige Überschriften
- Überfliegbare Struktur
Farbe und Kontrast
Standards der Barrierefreiheit
- WCAG AA als Minimum (4,5:1)
- WCAG AAA bevorzugt (7:1)
- Für Farbfehlsichtige geeignet
- Bei simuliertem Sonnenlicht prüfen
Markenkonsistenz
- Markenfarben beibehalten
- Für die Lesbarkeit nachjustieren
- Dunkelmodus mitdenken
- Einheitliches Erlebnis
Formulare optimieren
Weniger Felder
- Nur die nötigsten Pflichtfelder
- Angaben schrittweise erfragen
- Anmeldung über soziale Konten
- Automatisches Ausfüllen unterstützen
Eingabetypen
- Passende Tastaturtypen
- Datumsauswahl
- Auswahlliste bei langen Listen
- Auswahlfelder bei wenigen Optionen
Prüfung der Eingaben
- Rückmeldung in Echtzeit
- Verständliche Fehlermeldungen
- Betroffene Felder hervorheben
- Hinweistext, wo er hilft
Testprotokoll
Gerätetests
- Echte Geräte zuerst
- Mehrere Bildschirmgrößen
- iOS und Android
- Verschiedene Browser
Leistungstests
- Google PageSpeed Insights
- Lighthouse-Prüfungen
- WebPageTest
- Beobachtung echter Nutzer
Nutzertests
- Erledigung der Aufgabe
- Zeit bis zum Abschluss
- Punkte, die Frust erzeugen
- Sammeln von Rückmeldungen
Typische Fehler
Fehler 1: Desktop-Gestaltung verkleinert
Problem: Desktop-Layouts werden geschrumpft Lösung: zuerst mobil gestalten, dann für den Desktop erweitern
Fehler 2: Zu viel Inhalt
Problem: Überfrachtung mit Informationen Lösung: kompromisslos priorisieren, Inhalte schrittweise zeigen
Fehler 3: Langsames Laden
Problem: Nutzer verlassen langsame Seiten Lösung: Bilder optimieren, Code verschlanken, CDN nutzen
Fehler 4: Winzige Berührungsflächen
Problem: frustrierendes Antippen Lösung: mindestens 44 px, dazu genügend Abstand
Konversion optimieren
Gestaltung der Handlungsaufforderung
- Nur eine Hauptaktion
- Kontrastierende Farbe
- Handlungsorientierter Text
- Auffällige Platzierung
Vertrauenselemente
- Sicherheitssiegel
- Bewertungen
- Markenlogo
- Kontaktangaben
Dringlichkeit und Knappheit
- Zeitlich befristete Angebote
- Hinweise zur Verfügbarkeit
- Countdown-Anzeigen
- Soziale Bestätigung
Auswertung einrichten
Zentrale Kennzahlen
- Absprungrate
- Verweildauer
- Scrolltiefe
- Klickrate auf die Handlungsaufforderung
- Konversionsrate
Technische Umsetzung
- Google Analytics 4
- Heatmaps
- Sitzungsaufzeichnungen
- A/B-Tests
Banner, Funkloch und eigene Schriften
Drei hiesige Bedingungen entscheiden mit, ob eine gescannte Seite trägt, und alle drei betreffen die ersten zwei Sekunden.
Das Einwilligungsbanner ist der erste Bildschirm. Nach § 25 TDDDG darf davor kein nicht notwendiges Skript laufen, also sehen Ihre Besucher die Abfrage, bevor sie den Inhalt sehen. Gestalten Sie sie deshalb als Teil der Seite und nicht als Hindernis: der versprochene Inhalt dahinter sichtbar, zwei gleich gut erreichbare Schaltflächen, kein Layoutsprung, wenn das Banner verschwindet. Und prüfen Sie, dass die Seite ohne Zustimmung vollständig funktioniert, denn ein Teil Ihrer Besucher wird ablehnen.
Das Netz ist nicht überall gut. Entlang von Landstraßen, in Altbauten mit dicken Mauern und in Tiefgaragen bricht die Verbindung ein, und ein Plakat hängt oft genau dort. Bauen Sie für die schlechte Verbindung: wenige Kilobyte für den ersten sichtbaren Bereich, Bilder erst beim Scrollen, keine Schriftdatei im Rendering-Pfad. Ein Code mit einer Adresse, die auch offline etwas Sinnvolles zeigt, ist besser als eine schöne Seite, die im Funkloch weiß bleibt.
Und die Schriften gehören auf Ihren Server. Das dynamische Nachladen von Webfonts aus einem fremden Netz hat in Deutschland eine Welle von Abmahnungen ausgelöst, weil dabei die IP-Adresse der Besucher ohne Einwilligung an Dritte übertragen wird. Selbst gehostete Schriftdateien lösen das Problem und machen die Seite schneller. Dieselbe Logik gilt für Karten, Videoeinbindungen und Schaltflächen sozialer Netze: erst nach Zustimmung, oder als Bild mit Link.
Testen Sie so, wie später genutzt wird
Nehmen Sie Ihre Landingpage mit nach draußen. Öffnen Sie sie auf dem eigenen Handy, im Mobilfunknetz, bei Tageslicht, mit einem Kaffee in der anderen Hand. Alles, was langsam oder unleserlich ist oder zwei Hände verlangt, kommt auf die Mängelliste. Lighthouse-Werte sind nützlich, aber den Gehwegtest führen Ihre Scannenden tatsächlich durch.

