
QR-Codes platzieren und dimensionieren: die Maßband-Regeln
Regeln für die Platzierung von QR-Codes
Ein Code mit zwei Zentimetern Kantenlänge auf einem Plakat, das man aus einem Meter Entfernung liest, scannt nicht, und daran ändert keine Gestaltung etwas. Größe und Platzierung bringen mehr QR-Kampagnen zu Fall als alles andere, und beides lässt sich auf eine Handvoll Regeln herunterbrechen, die Sie mit einem Maßband anwenden können. Danach folgen die Maße für die Formate, die in einer deutschen Druckerei üblich sind.
Richtwerte für die Größe
Die 10:1-Regel
Mindestgröße = Scanentfernung ÷ 10
Beispiele:
- 30 cm Scanentfernung = 3 cm QR-Code
- 1 Meter Scanentfernung = 10 cm QR-Code
- 3 Meter Scanentfernung = 30 cm QR-Code
Mindestgrößen nach Anwendung
- Visitenkarten: 1,5 x 1,5 cm
- Flyer: 2 x 2 cm
- Plakate: 5 x 5 cm
- Plakatwände: nach Betrachtungsentfernung berechnen
Anforderungen an die Auflösung
- Druck: mindestens 300 DPI
- Digital: 72 DPI für Bildschirme
- Großformat: Vektoren nutzen (SVG)
Grundsätze der Platzierung
Positionierung auf Augenhöhe
- Wenn möglich auf Augenhöhe anbringen
- Sitzende und stehende Betrachtende mitdenken
- Kinder und Erwachsene berücksichtigen
- Extreme Winkel vermeiden
Barrierefreiheit
- Höhe, die aus dem Rollstuhl erreichbar ist
- Gut ausgeleuchtete Bereiche
- Ebene Flächen
- Freier Zugang
Sichtbarkeit
- Bereiche mit viel Publikumsverkehr
- Natürliche Blickachsen
- Kontrastreiche Hintergründe
- Passendes Umfeld
Das Umfeld mitdenken
Platzierung im Innenraum
- Lichtverhältnisse berücksichtigen
- Spiegelnde Oberflächen meiden
- Laufwege einkalkulieren
- Sitzordnung mitdenken
Platzierung im Freien
- Schutz vor Witterung
- Sonnenlicht und Blendung
- Schutz vor Vandalismus
- Haltbarkeit der Materialien
Arten von Untergründen
Die besten Untergründe
- Ebene, matte Oberflächen
- Helle Hintergründe
- Stabile, fest montierte Positionen
- Saubere, unbeschädigte Flächen
Schwierige Untergründe
- Gewölbte Flächen (Größe reduzieren)
- Spiegelnde Materialien (sorgfältig testen)
- Strukturierte Oberflächen (auf Kontrast achten)
- Bewegte Objekte (größer ausführen)
Richtwerte je nach Einsatzort
Einzelhandel
- An der Kasse: mindestens 5 x 5 cm
- Produktanhänger: 1,5 x 1,5 cm
- Schaufenster: 10 x 10 cm
- Regaletiketten: 2 x 2 cm
Gastronomie
- Tischaufsteller: 3 x 3 cm
- Speisekarten: 2 x 2 cm
- Fensteraufkleber: 8 x 8 cm
- Kassenbons: 2 x 2 cm
Werbemittel
- Visitenkarten: 1,5 x 1,5 cm
- Broschüren: 2 x 2 cm
- Plakate: mindestens 5 x 5 cm
- Banner: entsprechend skalieren
Verpackung
- Kleine Verpackungen: 1 x 1 cm
- Mittlere Verpackungen: 2 x 2 cm
- Große Verpackungen: 3 x 3 cm
- Kartons: 3 x 3 cm
Anforderungen an die Ruhezone
Was ist die Ruhezone?
Die freie Fläche rund um einen QR-Code, die zum Scannen nötig ist.
Mindestanforderungen
- Mindestens 4 Module breit
- Etwa 10 % der Codegröße
- Muss durchgehend einfarbig sein
Häufige Fehler
- ❌ Text zu nah am Code
- ❌ Zierelemente in der Ruhezone
- ❌ Rahmen, der den Code berührt
- ❌ Zu wenig Rand im Layout
Platzierung der Handlungsaufforderung
Bewährte Vorgehensweisen
- Die Handlungsaufforderung über oder unter den Code setzen
- Klare, handlungsorientierte Sprache verwenden
- Kurz halten: "Scannen und bestellen"
- Darauf achten, dass sie nicht in die Ruhezone ragt
Wirksame Handlungsaufforderungen
- "Scannen für die Speisekarte"
- "Scannen und bezahlen"
- "Scannen für 20 % Rabatt"
- "Scannen für mehr Infos"
Testablauf
Vor dem Ausrollen
- Auf der vorgesehenen Entfernung testen
- Mit mehreren Geräten testen
- Im tatsächlichen Licht testen
- Aus verschiedenen Winkeln testen
- Rückmeldungen von anderen einholen
Typische Punkte zum Prüfen
- Zuverlässigkeit des Scans
- Dauer bis zum Scan
- Nutzererlebnis
- Umgang mit Fehlern
Messen und optimieren
Leistung verfolgen
- Scanraten
- Dauer bis zum Scan
- Erfolgreiche und fehlgeschlagene Scans
- Rückmeldungen der Nutzenden
Anhand der Daten nachschärfen
- Größe bei Bedarf anpassen
- Platzierung verbessern
- Handlungsaufforderungen überarbeiten
- Alternativen testen
Deutsche Formate und der Sonntag am Schaufenster
Die hiesigen Standardformate machen die Rechnung bequem, wenn man weiß, aus welcher Entfernung sie gelesen werden.
Der Flyer im Format DIN lang wird in der Hand gehalten, also aus rund dreißig Zentimetern gelesen. Hier genügt ein kleiner Code, solange die Ruhezone steht. Ein Aushang in DIN A4 oder A3 im Schaukasten, am Vereinsheim oder im Treppenhaus wird aus etwa einem Meter gelesen, und dafür brauchen Sie den Code deutlich größer, als er im Layout wirkt. Eine Großfläche an der Straße wird aus mehreren Metern wahrgenommen, und dort ist der Code meist die falsche Idee, weil niemand für den Scan näher herangeht. Setzen Sie ihn stattdessen auf das Format, das in Griffweite hängt.
Eine deutsche Besonderheit lohnt eigene Planung: das Schaufenster am Sonntag. Wenn der Laden wegen der Sonntagsruhe geschlossen ist, ist der Aushang im Fenster der einzige Verkäufer, und der Scan ist der einzige Weg nach innen. Dafür gilt: Der Code klebt auf Augenhöhe und nicht oben in der Scheibe, er sitzt an der Innenseite des Glases mit weißem Hintergrund gegen die Spiegelung, und die Zielseite muss ohne offenes Ladenlokal funktionieren. Reservierung für Montag, Merkliste, Rückruf oder Bestellung sind sinnvolle Aktionen, eine Öffnungszeitenseite ist keine.
Und der Blick über die Straße: Am Wartehäuschen oder am Bahnsteig steht die Leserin still und hat eine Minute Zeit. Das ist die beste Platzierung, die der öffentliche Raum hierzulande zu bieten hat, und sie verträgt sogar einen Code mit mehr Inhalt. Die Rechenwege für die Kantenlänge stehen im Größenleitfaden.
Der Zwei-Minuten-Feldtest
Vor jeder Auflage: Stellen Sie sich dorthin, wo Ihr Publikum stehen wird, halten Sie das Telefon so, wie eine fremde Person es hält (einhändig, ohne Geduld), und scannen Sie das Muster in Originalgröße. Dauert es länger als etwa zwei Sekunden, bis er erkannt wird, ist der Code für diese Entfernung zu klein oder der Kontrast zu schwach. Beheben Sie es auf Papier, wo es nichts kostet.
