
Barrierefreie QR-Codes: Höhe, Kontrast, zweiter Weg
Warum Barrierefreiheit zählt
Ein Code in Augenhöhe von Stehenden schließt Rollstuhlfahrende aus. Eine Zielseite ohne Alternativtexte schließt Menschen aus, die einen Screenreader nutzen. Ein kontrastarmer Designercode schließt alle aus, die schlecht sehen. Das zu beheben kostet selten Geld, und in Deutschland ist es für einen wachsenden Teil der Anbieter inzwischen verpflichtend. Hier stehen die Punkte, die im Alltag wirklich etwas ändern, und danach die Regelwerke, an denen sich das hierzulande messen lässt.
Hürden verstehen
Sehbeeinträchtigungen
- Blindheit
- Geringes Sehvermögen
- Farbfehlsichtigkeit
- Lichtempfindlichkeit
Motorische Beeinträchtigungen
- Eingeschränkte Beweglichkeit
- Zittern
- Lähmungen
- Koordinationsschwierigkeiten
Kognitive Beeinträchtigungen
- Lernbeeinträchtigungen
- Gedächtnisprobleme
- Aufmerksamkeitsschwierigkeiten
- Verarbeitungsschwierigkeiten
Hörbeeinträchtigungen
- Gehörlosigkeit
- Schwerhörigkeit
- Auditive Verarbeitung
Barrierefreiheit des QR-Codes
Gestaltung des gedruckten Codes
Größe und Kontrast
- Mindestens 2 cm x 2 cm für den Scan aus der Nähe
- Hoher Kontrast (dunkel auf hell)
- Kontrastarme Farbkombinationen vermeiden
- Mit Kontrastprüfern testen
Platzierung
- Für Rollstuhlfahrende erreichbare Höhe (90-120 cm)
- Spiegelnde Oberflächen vermeiden
- Gute Beleuchtung
- Stabile, ebene Flächen
Tastbare Markierungen
- Erhabene Ränder für blinde Menschen
- Beschriftung in Braille daneben
- Tastbare Wegweiser
- Physische Führungen
Alternative Zugangswege
Bieten Sie immer eine Alternative
- Die Adresse als Text unter dem QR-Code
- Ein NFC-Tag als Begleitung
- Eine kurze Adresse zum Eintippen
- Eine Telefonnummer
Beispiel: "QR-Code scannen oder besuchen: bit.ly/abc123 Oder anrufen: 1-800-XXX-XXXX"
Barrierefreiheit der Landingpage
Erfüllung der WCAG
Wahrnehmbar
- Alternativtexte für Bilder
- Untertitel für Videos
- Ausreichender Kontrast
- Skalierbarer Text
Bedienbar
- Navigation per Tastatur
- Sprunglinks
- Sichtbarer Fokus
- Keine Zeitbegrenzung
Verständlich
- Klare Sprache
- Einheitliche Navigation
- Fehler benennen
- Hilfe verfügbar
Robust
- Gültiges HTML
- ARIA-Beschriftungen
- Mit Screenreadern verträglich
- Zukunftsfester Code
Optimierung für Screenreader
Semantisches HTML
- Saubere Überschriftenhierarchie
- Aussagekräftige Linktexte
- Beschriftete Formularfelder
- Echte Listenstrukturen
ARIA-Beschriftungen
- Beschreibende Beschriftungen
- Anzeige von Zuständen
- Live-Bereiche
- Definierte Rollen
Navigation per Tastatur
Unverzichtbare Elemente
- Logische Tabulatorreihenfolge
- Sichtbarer Fokus
- Navigation überspringen
- Tastenkürzel
Interaktive Elemente
- Bedienbare Schaltflächen
- Navigation in Formularfeldern
- Umgang mit Dialogfenstern
- Auswahlmenüs
Vorkehrungen bei Sehbeeinträchtigung
Für blinde Menschen
- Mit Screenreadern verträgliche Landingpages
- Audiobeschreibung für optische Inhalte
- Tastbare Markierungen am QR-Code
- Alternativen per Telefon
Für geringes Sehvermögen
- Kontrastreiche Darstellung
- Vergrößerbarer Text
- Verträglichkeit mit dem Zoom
- Große Berührungsflächen
Für Farbfehlsichtigkeit
- Sich nie allein auf Farbe verlassen
- Muster und Beschriftungen nutzen
- Mit Simulatoren testen
- Alternativen anbieten
Vorkehrungen bei motorischer Beeinträchtigung
Leichteres Scannen
- Größere QR-Codes
- Stabile Platzierung
- Großzügigere Zeitfenster
- Bedienung mit einer Hand
Gestaltung der Landingpage
- Große Berührungsflächen (mindestens 44 px)
- Großzügige Abstände
- Einfache Interaktionen
- Nachsicht bei Fehlern
Kognitive Barrierefreiheit
Klare Kommunikation
- Einfache Sprache
- Kurze Sätze
- Klare Anleitungen
- Optische Hinweise
Navigation
- Einheitliches Layout
- Klare Rückmeldung
- Fortschrittsanzeigen
- Leichter Weg zurück
Kognitive Last senken
- Wenig Ablenkung
- Fokussierte Inhalte
- Informationen in Häppchen
- Gedächtnisstützen
Barrierefreiheit testen
Automatisierte Prüfung
- WAVE-Werkzeug
- Axe DevTools
- Lighthouse-Prüfung zur Barrierefreiheit
- Kontrastprüfer
Manuelle Prüfung
- Bedienung nur per Tastatur
- Prüfung mit Screenreader
- Prüfung mit Zoom
- Simulation von Farbfehlsichtigkeit
Nutzertests
- Menschen mit Behinderungen einbeziehen
- Verschiedene Hilfstechnologien
- Szenarien aus dem Alltag
- Rückmeldungen einarbeiten
Rechtliche Vorgaben
ADA (Vereinigte Staaten)
- Webseiten als öffentliche Einrichtungen
- Wirksame Kommunikation vorgeschrieben
- Angemessene Vorkehrungen
- Risiko von Klagen
WCAG-Standards
- Stufe A: Minimum
- Stufe AA: empfohlen
- Stufe AAA: ideal
- Rechtlicher Bezugspunkt
Weitere Vorschriften
- Section 508 (Vereinigte Staaten)
- EN 301 549 (Europa)
- AODA (Ontario, Kanada)
- Nationale Gesetze
Checkliste für die Umsetzung
Gestaltung des gedruckten QR-Codes
- [ ] Ausreichende Größe zum Scannen
- [ ] Kontrastreiche Farben
- [ ] Erreichbare Anbringhöhe
- [ ] Gute Beleuchtung
- [ ] Alternative Adresse angegeben
- [ ] Tastbare Markierungen, wo sinnvoll
Landingpage
- [ ] Erfüllt WCAG AA
- [ ] Mit Screenreader geprüft
- [ ] Per Tastatur bedienbar
- [ ] Kontrastreicher Modus
- [ ] Skalierbarer Text
- [ ] Alternativtexte für Bilder
- [ ] Untertitel für Videos
- [ ] Klare, einfache Sprache
Prüfung
- [ ] Automatisierter Scan zur Barrierefreiheit
- [ ] Manuelle Prüfung per Tastatur
- [ ] Prüfung mit Screenreader
- [ ] Simulation von Farbfehlsichtigkeit
- [ ] Nutzertests mit Menschen mit Behinderungen
Quellen
Werkzeuge zum Testen
- WAVE Web Accessibility Tool
- Axe DevTools
- NVDA Screen Reader
- VoiceOver (iOS/Mac)
- Color Oracle
Leitlinien
- WCAG-2.1-Richtlinien
- Materialien von WebAIM
- A11Y Project
- Deque University
Die Regelwerke, die hierzulande gelten
Für Barrierefreiheit gibt es in Deutschland keine Grauzone mehr, sondern zwei Stränge und drei Normen, die den Ausschlag geben.
Öffentliche Stellen richten sich nach der Barrierefreien-Informationstechnik-Verordnung. Sie verlangt barrierefreie Webangebote, eine Erklärung zur Barrierefreiheit und Basisinformationen in Leichter Sprache sowie in Deutscher Gebärdensprache. Für private Anbieter setzt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz den europäischen Rechtsakt zur Barrierefreiheit um und erfasst unter anderem Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr, mit Ausnahmen für Kleinstunternehmen. Wer also eine Bestellung, eine Buchung oder einen Vertragsabschluss hinter einen Code legt, sollte prüfen, ob er darunter fällt.
Geprüft wird gegen die europäische Norm EN 301 549, die für Webinhalte auf die WCAG verweist. Das ist die technische Messlatte für die Zielseite: Kontraste, Tastaturbedienbarkeit, Beschriftungen, Alternativtexte. Für den gedruckten Teil helfen zwei weitere Normen mehr als jede Designdiskussion. DIN 1450 beschreibt, was Schrift leserlich macht, also Schriftgröße, Strichstärke und Kontrast für den begleitenden Text neben dem Code. Und DIN 18040 beschreibt für öffentlich zugängliche Gebäude die Greifbereiche für Bedienelemente. Wer den Code in diesem Bereich anbringt statt auf Stehhöhe, erreicht sitzende Nutzer, Kinder und kleinere Menschen mit.
Eine Regel steht über allem und ist zugleich die billigste. Der Code darf nie der einzige Weg zur Information sein. Drucken Sie die Adresse lesbar darunter, halten Sie die Papierfassung bereit, nennen Sie eine Telefonnummer. Für Bildschirmnutzer gehört ein sinnvoller Alternativtext an das Codebild, wie in unserem Beitrag zum Alternativtext für QR-Codes beschrieben.
Drei Verbesserungen für heute
Drucken Sie die Zieladresse unter jeden öffentlich zugänglichen Code, gleichen Sie Ihre Anbringhöhen mit dem Bereich von 90-120 cm ab, und schicken Sie Ihre Landingpage einmal durch WAVE. Diese drei Änderungen kosten fast nichts, decken die häufigsten Hürden ab und geben Ihnen eine belastbare Ausgangslage, während Sie die umfassendere WCAG-Prüfung planen.

