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Best Practices

Barrierefreie QR-Codes: Höhe, Kontrast, zweiter Weg

7 Min. Lesezeit
QR-Code erstellen

Warum Barrierefreiheit zählt

Ein Code in Augenhöhe von Stehenden schließt Rollstuhlfahrende aus. Eine Zielseite ohne Alternativtexte schließt Menschen aus, die einen Screenreader nutzen. Ein kontrastarmer Designercode schließt alle aus, die schlecht sehen. Das zu beheben kostet selten Geld, und in Deutschland ist es für einen wachsenden Teil der Anbieter inzwischen verpflichtend. Hier stehen die Punkte, die im Alltag wirklich etwas ändern, und danach die Regelwerke, an denen sich das hierzulande messen lässt.

Hürden verstehen

Sehbeeinträchtigungen

  • Blindheit
  • Geringes Sehvermögen
  • Farbfehlsichtigkeit
  • Lichtempfindlichkeit

Motorische Beeinträchtigungen

  • Eingeschränkte Beweglichkeit
  • Zittern
  • Lähmungen
  • Koordinationsschwierigkeiten

Kognitive Beeinträchtigungen

  • Lernbeeinträchtigungen
  • Gedächtnisprobleme
  • Aufmerksamkeitsschwierigkeiten
  • Verarbeitungsschwierigkeiten

Hörbeeinträchtigungen

  • Gehörlosigkeit
  • Schwerhörigkeit
  • Auditive Verarbeitung

Barrierefreiheit des QR-Codes

Gestaltung des gedruckten Codes

Größe und Kontrast

  • Mindestens 2 cm x 2 cm für den Scan aus der Nähe
  • Hoher Kontrast (dunkel auf hell)
  • Kontrastarme Farbkombinationen vermeiden
  • Mit Kontrastprüfern testen

Platzierung

  • Für Rollstuhlfahrende erreichbare Höhe (90-120 cm)
  • Spiegelnde Oberflächen vermeiden
  • Gute Beleuchtung
  • Stabile, ebene Flächen

Tastbare Markierungen

  • Erhabene Ränder für blinde Menschen
  • Beschriftung in Braille daneben
  • Tastbare Wegweiser
  • Physische Führungen

Alternative Zugangswege

Bieten Sie immer eine Alternative

  • Die Adresse als Text unter dem QR-Code
  • Ein NFC-Tag als Begleitung
  • Eine kurze Adresse zum Eintippen
  • Eine Telefonnummer

Beispiel: "QR-Code scannen oder besuchen: bit.ly/abc123 Oder anrufen: 1-800-XXX-XXXX"

Barrierefreiheit der Landingpage

Erfüllung der WCAG

Wahrnehmbar

  • Alternativtexte für Bilder
  • Untertitel für Videos
  • Ausreichender Kontrast
  • Skalierbarer Text

Bedienbar

  • Navigation per Tastatur
  • Sprunglinks
  • Sichtbarer Fokus
  • Keine Zeitbegrenzung

Verständlich

  • Klare Sprache
  • Einheitliche Navigation
  • Fehler benennen
  • Hilfe verfügbar

Robust

  • Gültiges HTML
  • ARIA-Beschriftungen
  • Mit Screenreadern verträglich
  • Zukunftsfester Code

Optimierung für Screenreader

Semantisches HTML

  • Saubere Überschriftenhierarchie
  • Aussagekräftige Linktexte
  • Beschriftete Formularfelder
  • Echte Listenstrukturen

ARIA-Beschriftungen

  • Beschreibende Beschriftungen
  • Anzeige von Zuständen
  • Live-Bereiche
  • Definierte Rollen

Navigation per Tastatur

Unverzichtbare Elemente

  • Logische Tabulatorreihenfolge
  • Sichtbarer Fokus
  • Navigation überspringen
  • Tastenkürzel

Interaktive Elemente

  • Bedienbare Schaltflächen
  • Navigation in Formularfeldern
  • Umgang mit Dialogfenstern
  • Auswahlmenüs

Vorkehrungen bei Sehbeeinträchtigung

Für blinde Menschen

  • Mit Screenreadern verträgliche Landingpages
  • Audiobeschreibung für optische Inhalte
  • Tastbare Markierungen am QR-Code
  • Alternativen per Telefon

Für geringes Sehvermögen

  • Kontrastreiche Darstellung
  • Vergrößerbarer Text
  • Verträglichkeit mit dem Zoom
  • Große Berührungsflächen

Für Farbfehlsichtigkeit

  • Sich nie allein auf Farbe verlassen
  • Muster und Beschriftungen nutzen
  • Mit Simulatoren testen
  • Alternativen anbieten

Vorkehrungen bei motorischer Beeinträchtigung

Leichteres Scannen

  • Größere QR-Codes
  • Stabile Platzierung
  • Großzügigere Zeitfenster
  • Bedienung mit einer Hand

Gestaltung der Landingpage

  • Große Berührungsflächen (mindestens 44 px)
  • Großzügige Abstände
  • Einfache Interaktionen
  • Nachsicht bei Fehlern

Kognitive Barrierefreiheit

Klare Kommunikation

  • Einfache Sprache
  • Kurze Sätze
  • Klare Anleitungen
  • Optische Hinweise

Navigation

  • Einheitliches Layout
  • Klare Rückmeldung
  • Fortschrittsanzeigen
  • Leichter Weg zurück

Kognitive Last senken

  • Wenig Ablenkung
  • Fokussierte Inhalte
  • Informationen in Häppchen
  • Gedächtnisstützen

Barrierefreiheit testen

Automatisierte Prüfung

  • WAVE-Werkzeug
  • Axe DevTools
  • Lighthouse-Prüfung zur Barrierefreiheit
  • Kontrastprüfer

Manuelle Prüfung

  • Bedienung nur per Tastatur
  • Prüfung mit Screenreader
  • Prüfung mit Zoom
  • Simulation von Farbfehlsichtigkeit

Nutzertests

  • Menschen mit Behinderungen einbeziehen
  • Verschiedene Hilfstechnologien
  • Szenarien aus dem Alltag
  • Rückmeldungen einarbeiten

Rechtliche Vorgaben

ADA (Vereinigte Staaten)

  • Webseiten als öffentliche Einrichtungen
  • Wirksame Kommunikation vorgeschrieben
  • Angemessene Vorkehrungen
  • Risiko von Klagen

WCAG-Standards

  • Stufe A: Minimum
  • Stufe AA: empfohlen
  • Stufe AAA: ideal
  • Rechtlicher Bezugspunkt

Weitere Vorschriften

  • Section 508 (Vereinigte Staaten)
  • EN 301 549 (Europa)
  • AODA (Ontario, Kanada)
  • Nationale Gesetze

Checkliste für die Umsetzung

Gestaltung des gedruckten QR-Codes

  • [ ] Ausreichende Größe zum Scannen
  • [ ] Kontrastreiche Farben
  • [ ] Erreichbare Anbringhöhe
  • [ ] Gute Beleuchtung
  • [ ] Alternative Adresse angegeben
  • [ ] Tastbare Markierungen, wo sinnvoll

Landingpage

  • [ ] Erfüllt WCAG AA
  • [ ] Mit Screenreader geprüft
  • [ ] Per Tastatur bedienbar
  • [ ] Kontrastreicher Modus
  • [ ] Skalierbarer Text
  • [ ] Alternativtexte für Bilder
  • [ ] Untertitel für Videos
  • [ ] Klare, einfache Sprache

Prüfung

  • [ ] Automatisierter Scan zur Barrierefreiheit
  • [ ] Manuelle Prüfung per Tastatur
  • [ ] Prüfung mit Screenreader
  • [ ] Simulation von Farbfehlsichtigkeit
  • [ ] Nutzertests mit Menschen mit Behinderungen

Quellen

Werkzeuge zum Testen

  • WAVE Web Accessibility Tool
  • Axe DevTools
  • NVDA Screen Reader
  • VoiceOver (iOS/Mac)
  • Color Oracle

Leitlinien

  • WCAG-2.1-Richtlinien
  • Materialien von WebAIM
  • A11Y Project
  • Deque University

Die Regelwerke, die hierzulande gelten

Für Barrierefreiheit gibt es in Deutschland keine Grauzone mehr, sondern zwei Stränge und drei Normen, die den Ausschlag geben.

Öffentliche Stellen richten sich nach der Barrierefreien-Informationstechnik-Verordnung. Sie verlangt barrierefreie Webangebote, eine Erklärung zur Barrierefreiheit und Basisinformationen in Leichter Sprache sowie in Deutscher Gebärdensprache. Für private Anbieter setzt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz den europäischen Rechtsakt zur Barrierefreiheit um und erfasst unter anderem Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr, mit Ausnahmen für Kleinstunternehmen. Wer also eine Bestellung, eine Buchung oder einen Vertragsabschluss hinter einen Code legt, sollte prüfen, ob er darunter fällt.

Geprüft wird gegen die europäische Norm EN 301 549, die für Webinhalte auf die WCAG verweist. Das ist die technische Messlatte für die Zielseite: Kontraste, Tastaturbedienbarkeit, Beschriftungen, Alternativtexte. Für den gedruckten Teil helfen zwei weitere Normen mehr als jede Designdiskussion. DIN 1450 beschreibt, was Schrift leserlich macht, also Schriftgröße, Strichstärke und Kontrast für den begleitenden Text neben dem Code. Und DIN 18040 beschreibt für öffentlich zugängliche Gebäude die Greifbereiche für Bedienelemente. Wer den Code in diesem Bereich anbringt statt auf Stehhöhe, erreicht sitzende Nutzer, Kinder und kleinere Menschen mit.

Eine Regel steht über allem und ist zugleich die billigste. Der Code darf nie der einzige Weg zur Information sein. Drucken Sie die Adresse lesbar darunter, halten Sie die Papierfassung bereit, nennen Sie eine Telefonnummer. Für Bildschirmnutzer gehört ein sinnvoller Alternativtext an das Codebild, wie in unserem Beitrag zum Alternativtext für QR-Codes beschrieben.

Drei Verbesserungen für heute

Drucken Sie die Zieladresse unter jeden öffentlich zugänglichen Code, gleichen Sie Ihre Anbringhöhen mit dem Bereich von 90-120 cm ab, und schicken Sie Ihre Landingpage einmal durch WAVE. Diese drei Änderungen kosten fast nichts, decken die häufigsten Hürden ab und geben Ihnen eine belastbare Ausgangslage, während Sie die umfassendere WCAG-Prüfung planen.

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