
QR-Zahlungen: Technik, Märkte und die Frage vor dem Start
Der Aufstieg der QR-Zahlungen
In einem kleinen Laden in Hangzhou, auf einem Markt in Delhi oder in einem Café in Jakarta klebt an der Kasse ein laminierter QR-Code dort, wo hier das Kartenterminal steht. Die komplette Zahlungsinfrastruktur des Händlers ist ein Blatt Papier. Wer aus Deutschland kommt, wo girocard und Bargeld den Ladentisch bestimmen, sieht darin zuerst einen Widerspruch. Dieser Beitrag erklärt, wie QR-Zahlungen technisch ablaufen, warum sie einige Märkte vollständig übernommen haben und andere nicht, und was daraus für einen Betrieb hier folgt.
So funktionieren QR-Zahlungen
Kundenseitig erzeugter Code (CPM)
- Die Kundin öffnet ihre Zahlungs-App
- Die App erzeugt einen QR-Code
- Der Händler scannt den Code
- Die Transaktion wird verarbeitet
Händlerseitig gezeigter Code (MPM)
- Der Händler zeigt einen QR-Code
- Die Kundin scannt ihn mit ihrer Zahlungs-App
- Die Kundin bestätigt den Betrag
- Die Transaktion wird verarbeitet
Vorteile von QR-Zahlungen
Für Unternehmen
- Niedrigere Transaktionsgebühren als bei Kartenzahlungen
- Keine teure Hardware nötig
- Schnelle Einrichtung und Inbetriebnahme
- Funktioniert in manchen Fällen offline
- Sofortige Zahlungsbestätigung
Für Verbraucherinnen und Verbraucher
- Kein Bargeld und keine Karten nötig
- Schnell und bequem
- Sichere Transaktionen
- Transaktionsverlauf jederzeit griffbereit
- Läuft auf jedem Smartphone
Verbreitung weltweit
Führende Märkte
- China: Alipay und WeChat Pay dominieren
- Indien: QR-Zahlungen auf UPI-Basis sind allgegenwärtig
- Südostasien: rasante Verbreitung in der ganzen Region
- Europa: wachsende Akzeptanz
- Amerika: beschleunigt seit der Pandemie
Sicherheitsmerkmale
Eingebauter Schutz
- Verschlüsselte Transaktionen
- Tokenisierung der Zahlungsdaten
- Einmalig gültige Codes
- Zeitlich begrenzte Gültigkeit
- Biometrische Authentifizierung
Betrugsprävention
- Überwachung in Echtzeit
- Anomalieerkennung
- Transaktionslimits
- Geräteprüfung
- Ablage im Secure Element
Umsetzung im Unternehmen
Erste Schritte
- Einen Zahlungsanbieter wählen
- Den eigenen Händler-QR-Code erzeugen
- Ihn gut sichtbar an der Kasse anbringen
- Das Personal auf den Ablauf schulen
- Bei der Kundschaft dafür werben
Bewährte Vorgehensweisen
- Für gute Beleuchtung beim Scannen sorgen
- Zahlungsoptionen deutlich ausweisen
- Mehrere QR-Zahlungs-Apps anbieten
- Codes sauber und unbeschädigt halten
- Regelmäßig abgleichen
Künftige Entwicklungen
Super-Apps
Verzahnung von Zahlungen mit:
- Messaging
- Sozialen Netzwerken
- Treueprogrammen
- Dienstleistungen und Versorgern
Grenzüberschreitende Zahlungen
- Internationale Standards für QR-Zahlungen
- Eingebaute Währungsumrechnung
- Geringere Kosten bei Überweisungen
- Touristenfreundliche Lösungen
Erweiterte Funktionen
- Geteilte Rechnungen
- Wiederkehrende Zahlungen
- Kleinstbeträge
- Integrierte Finanzierung
Hürden und Lösungen
Hürde: Interoperabilität
Lösung: universelle QR-Standards und Aggregatordienste
Hürde: Abhängigkeit vom Internet
Lösung: QR-Systeme mit Offlinefähigkeit
Hürde: Akzeptanz bei den Nutzenden
Lösung: Aufklärung und Anreize
Warum der Zahlungscode hier auf der Rechnung sitzt
Der deutsche Ladentisch ist besetzt. Die girocard läuft über ein Terminal, das die meisten Betriebe ohnehin haben, kontaktlos und ohne Kamera, und Bargeld ist nicht verschwunden, sondern für viele eine bewusste Wahl. Ein QR-Code an der Kasse müsste also etwas ersetzen, das schnell funktioniert und dessen Kosten kalkuliert sind. Das gelingt vor allem dort, wo kein Terminal steht: Marktstand, Vereinsfest, Trinkgeldkasse, Straßenmusik, Hofladen mit Vertrauenskasse.
Massenhaft im Umlauf sind Zahlungscodes hierzulande an einer anderen Stelle, nämlich auf Papier, das ohnehin verschickt wird: Rechnung, Beitragsbescheid, Spendenaufruf. Der GiroCode nach dem EPC-Format enthält Empfängername, IBAN, Betrag und Verwendungszweck. Die Banking-App liest ihn, füllt das Überweisungsformular aus und legt es zur Freigabe vor. Für die Zahlerin entfällt das Abtippen der IBAN, für den Rechnungssteller sinkt die Zahl unklarer Verwendungszwecke. Zum Aufbau des Formats siehe unseren Beitrag zum GiroCode und EPC-Format.
Unabhängig vom Verfahren bleibt die Belegpflicht. Nach § 146a AO muss bei jedem Kassiervorgang ein Beleg erstellt und angeboten werden, elektronisch nur mit Zustimmung der Kundschaft. Wer mit dem QR-Code den Papierbon abschaffen will, plant also am Gesetz vorbei. Der umgekehrte Weg trägt mehr: Der Code steht auf dem Bon und führt zur digitalen Kopie, zur Garantieregistrierung oder zum Bewertungsformular.
Wenn Sie als Händler damit liebäugeln
Stellen Sie Ihrem Zahlungsanbieter zwei Fragen, bevor Sie irgendetwas drucken: Was passiert mit einer Zahlung, wenn das Telefon der Kundin keinen Empfang hat, und wie hoch ist die Gebühr je Transaktion im Vergleich zu Ihrem aktuellen Kartensatz? Die Antworten unterscheiden sich zwischen Anbietern stärker als jede Funktionsliste. Danach laminieren Sie den Code, kleben ein Ersatzexemplar hinter die Theke, und Sie sind live.
