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Fallstudien

Museen und QR-Codes: zwei Umsetzungen im Vergleich

8 Min. Lesezeit
QR-Code erstellen

Besucherbindung im Museum durch QR-Codes

Auf ein Wandschild passen vielleicht vierzig Wörter. Die Geschichte hinter einem Gemälde, also die Restaurierung, die Briefe der Künstlerin, der Streit über die Zuschreibung, passt dort nicht hin. Genau diese Lücke schließen Museen seit Jahren mit QR-Codes. Häuser in kommunaler Trägerschaft oder in der Hand eines Vereins haben dabei zwei Randbedingungen, die das Vorgehen prägen: ein knappes Budget und Vorgaben zur Barrierefreiheit. Die beiden Umsetzungen weiter unten zeigen, was funktioniert, was bricht und was es kostet.

Die Ausgangslage

Grenzen des Herkömmlichen

  • Statische Aufsteller
  • Begrenzte Information
  • Sprachbarrieren
  • Probleme mit der Barrierefreiheit
  • Schwierigkeiten, Aufmerksamkeit zu halten

Was Besucherinnen und Besucher erwarten

  • Interaktive Erlebnisse
  • Digitale Inhalte
  • Lernen im eigenen Tempo
  • Personalisierung
  • Teilen in sozialen Netzwerken

Umsetzung der QR-Lösung

Grundlegende Anwendungen

  • Vertiefende Informationen zum Werk
  • Audioguides
  • Videoinhalte
  • Künstlerbiografien
  • Historische Einordnung

Fortgeschrittene Funktionen

  • AR-Erlebnisse
  • Interaktive Spiele
  • Virtuelle Rundgänge
  • Anbindung an soziale Netzwerke
  • Spendenaufrufe

Fallbeispiel: großes Kunstmuseum

Ausgangslage

Ein weltbekanntes Kunstmuseum mit 2 Millionen Besuchen im Jahr wollte die Bindung stärken und zugleich die Druckkosten senken.

Umsetzung

  • QR-Codes an 500 Kunstwerken
  • Unterstützung mehrerer Sprachen (12 Sprachen)
  • AR-Funktionen für ausgewählte Objekte
  • Audiodeskriptionen
  • Videointerviews mit Kunstschaffenden

Ergebnisse

  • Besucherinnen und Besucher nutzten die QR-Funktionen
  • Zufriedenheit mit den digitalen Inhalten
  • Geringere Druckkosten
  • Mehr aufgerufene Spendenaufrufe
  • Wachstum bei Erwähnungen in sozialen Netzwerken

Fallbeispiel: historisches Museum

Ausgangslage

Ein historisches Museum wollte seine Ausstellungen für jüngeres Publikum und Familien packender machen.

Umsetzung

  • Interaktive Schnitzeljagden
  • Spielerisch gestaltete Lernerlebnisse
  • Mitmachhefte für Familien
  • Inhalte hinter den Kulissen
  • Historische Rekonstruktionen in Augmented Reality

Ergebnisse

  • Mehr Familienbesuche
  • Längere durchschnittliche Verweildauer
  • Hohe Abschlussquote bei den Schnitzeljagden
  • Deutlich mehr Beteiligung des jungen Publikums

Anwendungen für die Barrierefreiheit

Sehbeeinträchtigung

  • Audiodeskriptionen
  • Kompatibilität mit Screenreadern
  • Optionen für vergrößerten Text
  • Darstellung mit hohem Kontrast

Hörbeeinträchtigung

  • Transkripte
  • Videos in Gebärdensprache
  • Visuelle Hinweise
  • Untertitelte Inhalte

Eingeschränkte Mobilität

  • Angebote für virtuelle Rundgänge
  • Barrierefreie Platzierung der Inhalte
  • Ausführliche Orientierungshilfen
  • Hinweise auf Ruhebereiche

Unterstützung mehrerer Sprachen

Strategie für die Umsetzung

  • Hauptsprachen anhand der Besucherdaten
  • Maschinelle Übersetzung für weitere Sprachen
  • Prüfung durch Muttersprachler
  • Kulturelle Anpassung

Inhaltspflege

  • Zentrales Übersetzungssystem
  • Einfache Aktualisierung
  • Wahrung der Einheitlichkeit
  • Qualitätskontrolle

Interaktive Funktionen

Augmented Reality

  • Visualisierung der Restaurierung eines Werks
  • Animationen historischer Figuren
  • Blicke hinter das Kunstwerk
  • Interaktive Elemente

Gamification

  • Sammelaufgaben
  • Punktesysteme
  • Abzeichen und Belohnungen
  • Bestenlisten

Anbindung an soziale Netzwerke

  • Einfaches Teilen
  • Fotomotive
  • Check-ins
  • Von Nutzenden erstellte Inhalte

Technische Architektur

Inhaltspflege

  • Zentrales CMS
  • Einfache Aktualisierung
  • Versionsverwaltung
  • Unterstützung mehrerer Sprachen

Plattform zur Auswertung

  • Verfolgung der Besuchswege
  • Beliebtheit der Inhalte
  • Kennzahlen zur Beteiligung
  • Conversion-Tracking

Optimierung fürs Handy

  • Schnelles Laden
  • Offlinefähigkeit
  • Geringer Datenverbrauch
  • Kompatibilität über Geräte hinweg

Lehren aus der Umsetzung

Was funktioniert hat

  1. Einfache, klare Anleitungen
  2. Hochwertige Inhalte
  3. Unterstützung mehrerer Sprachen
  4. Regelmäßige Aktualisierung der Inhalte
  5. Schulung der Mitarbeitenden

Wo es gehakt hat

  1. WLAN-Abdeckung
  2. Gerätekompatibilität
  3. Akzeptanz beim Publikum
  4. Pflege der Inhalte
  5. Widerstand im Team

Was geholfen hat

  1. Investitionen in die Infrastruktur
  2. Ausgiebiges Testen
  3. Ein klar erkennbarer Nutzen
  4. Ein eigenes Team für Inhalte
  5. Schulung und Einbindung

ROI-Betrachtung

Kosteneinsparungen

  • Geringere Druckkosten (kein jährlicher Nachdruck)
  • Weniger Abhängigkeit von Leihgeräten für Audioguides
  • Weniger Personalstunden für einfache Fragen zur Ausstellung

Einnahmen

  • Spendenaufrufe tauchen ganz natürlich im Besuchsverlauf auf
  • Werbung für den Museumsshop reist auf dem Telefon der Gäste mit
  • Veranstaltungswerbung greift im Moment des Interesses

Schwer bezifferbare Vorteile

  • Besseres Besuchserlebnis
  • Modernes Markenbild
  • Wertvolle Erkenntnisse aus den Daten
  • Wettbewerbsvorteil

Pläne für die Zukunft

Geplante Funktionen

  • Empfehlungen per KI
  • Personalisierte Rundgangsrouten
  • Erlebnisse in Virtual Reality
  • Funktionen für die Community

Weiterentwicklung der Technik

  • Anbindung an 5G
  • Kompatibilität mit Wearables
  • Bedienung per Sprache
  • Biometrische Personalisierung

Bewährte Vorgehensweisen für Museen

Planung

  1. Mit Besucherforschung beginnen
  2. Klare Ziele festlegen
  3. Die Einführung in Etappen planen
  4. Das Budget angemessen ansetzen

Umsetzung

  1. Ausgiebig testen
  2. Das gesamte Team schulen
  3. Wirklich gute Inhalte schaffen
  4. Beobachten und nachschärfen

Pflege

  1. Inhalte regelmäßig aktualisieren
  2. Die Leistung im Blick behalten
  3. Rückmeldungen einsammeln
  4. Mit der Technik mitwachsen

Barrierefreiheit und WLAN im deutschen Museum

Für ein Haus in öffentlicher Trägerschaft ist die Barrierefreiheit des digitalen Angebots keine Kür. Die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung verlangt von öffentlichen Stellen des Bundes barrierefreie Webangebote, die Länder haben entsprechende Regelungen, und dazu gehören eine Erklärung zur Barrierefreiheit sowie Basisinformationen in Deutscher Gebärdensprache und in Leichter Sprache. Für QR-Codes im Ausstellungsraum ergibt das eine klare Prioritätenliste: Bevor Sie die dritte Fremdsprache aufnehmen, bauen Sie das Gebärdensprachvideo und die Fassung in Leichter Sprache. Beides hilft mehr Besuchern als eine weitere Übersetzung, und beides wird geprüft.

Daneben stehen zwei praktische Punkte. Dicke Mauern und Kellergewölbe schlucken das Mobilfunknetz, und ein Code, der ins Leere führt, ist schlimmer als kein Code. Offenes Gäste-WLAN ist die Antwort darauf, und die Haftungsfrage, die deutsche Betreiber lange davon abgehalten hat, ist mit der Abschaffung der Störerhaftung für offene Netze vom Tisch. Legen Sie den Zugang über einen eigenen Code am Eingang aus.

Und die Kostenseite: Ein Verein oder ein kommunales Haus braucht keine eigene App. Die Inhalte gehören in das Redaktionssystem, das die Webseite ohnehin betreibt, als normale Unterseiten mit sprechenden Adressen. Dynamische Codes sorgen dafür, dass eine Umhängung nicht bedeutet, dass die Schilder neu gedruckt werden müssen. Wer stattdessen eine App beauftragt, zahlt die Pflege zweier Systeme aus einem Budget, das für eines gedacht war.

Für Häuser, die darüber nachdenken

Starten Sie den Pilotversuch in einem Saal, nicht im ganzen Haus. Zwanzig Kunstwerke, Codes auf Schildhöhe, eine Sprache über Ihre Hauptsprache hinaus und eine Person, die für die Aktualisierung der Inhalte verantwortlich ist. Die Funklöcher im WLAN und die Last der Inhaltspflege, also die beiden Probleme, auf die jedes Museum in dieser Untersuchung gestoßen ist, zeigen sich im Pilotmaßstab schon innerhalb eines Monats, solange sie noch günstig zu beheben sind.

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